Presseberichte

Die Kunstvermittlerin

Evamaria Brehm führt von Hasloh aus eine Agentur und vermittelt zusammen mit einer Partnerin Kunstwerke

Von Claudia Ellersiek

Pinneberger Tageblatt 05.01.2019

Wenn Evamaria Brehm gefragt wird, was Kunst für sie bedeutet, muss sie sich die Antwort nicht lange überlegen. „Kunst ist pure Freude, bringt mich zur Ruhe, gibt mir Energie und ist spannend“, sagt sie dann. Schon als junge Erwachsene fasziniert sie die Arbeit von professionellen Künstlern, lernt, was ein gutes Kunstwerk ausmacht. Inzwischen hat sie diese Leidenschaft zu ihrer Profession gemacht und 2010 die mobile Galerie „Forum Kunst&Dialog“ gegründet, die sich als Unternehmen einen Namen gemacht hat auf dem Gebiet der Vermittlung von Künstlern und Kunstwerken in Ausstellungen, Kuratierung selbst konzipierter Ausstellungen, sowie die künstlerische Ausgestaltung von Geschäfts- und Privaträumen mit vorhergehender individueller Kunstberatung. Eine schwierige Branche, in der man nur erfolgreich sein kann, wenn man sich etwas zutraut und Sensibilität für Kunden und Künstler mitbringt. Und eine Nische, mit der sich die Politikwissenschaftlerin aus Bayern, die es vor vier Jahren nach Hasloh zog, einen Traum erfüllt hat. Welcher Weg sie in die Selbstständigkeit führte, ist ebenso eine Geschichte, wie die Antwort auf die Frage, warum eine gebürtige Münchnerin, die den Starnberger See mit Umgebung bis heute als ihre Heimat bezeichnet, ausgerechnet in die norddeutsche Tiefebene zieht. Um es gleich vorweg zu sagen: Natürlich geschah der Umzug aus Liebe. Zwei kleine Mädchen – ihre Enkeltöchter nämlich waren ihr wichtiger, als das tägliche Bad in einem der vielen Gebirgsseen, die Bergwanderungen und die atemberaubende Natur. „Immer wenn die Kinder und Enkelkinder nach einem Besuch bei mir wieder nach Hause nach Hasloh gefahren sind, habe ich Wochen gebraucht, um die Leere in meinem Haus emotional zu verarbeiten“, sagt Brehm. Irgendwann war sie dann an dem Punkt, das nicht mehr hinnehmen zu wollen, auch wenn sie bis heute Heimweh hat. Aber Brehm hat einen klaren inneren Kompass, weiß, was sie will, setzt Prioritäten und lässt sich ungern vorschreiben, wie sie ihr Leben zu gestalten hat. Die zierliche braunhaarige Frau ist entschlossen und geradlinig. Das erklärt, warum ihr Leben geprägt ist von mutigen Entscheidungen und Neuanfängen. Wenn sie das Gefühl hatte, ein eingeschlagener Weg würde sich als Sackgasse entpuppen, bog sie ab. Woher sie das Selbstvertrauen nimmt, weiß sie selber nicht genau. „Ich habe das Glück gehabt, viele Menschen zu treffen, die mich unheimlich unterstützt und gefördert haben.“ Einer war ihr zweiter Arbeitgeber. Der niedergelassene Arzt aus Starnberg nahm die junge Frau mit Realschulabschluss und Ausbildung zur Arzthelferin nicht nur in seine Praxis, sondern auch gleich in seine Familie mit auf. Für Brehm ein Glücksfall, wie sie bis heute sagt. Er erkannte ihre Begabung im Umgang mit Menschen, ihre Begeisterung für das Lernen und ihren und starken Willen. In seiner Familie kam sie erstmals mit professioneller Kunst auf hohem Niveau in Berührung, konnte einen eigenen Geschmack und Kunstverstand entwickeln. Er war es schließlich auch, der sie ermutigte, ihr Abitur nachzumachen und zu studieren. Drei Jahre lang drückte sie an vier Abenden in der Woche die Schulbank, tagsüber war sie für Mann und ihre Tochter da. Als sie das Abschlusszeugnis in der Tasche hatte, machte sie gleich weiter und schrieb sich für Politikwissenschaft an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ein. Ein Spagat, der viel Organisation erforderte. Missen möchte sie das aber trotzdem nicht. „Es war eine tolle Zeit“, sagt sie. Eine Zeit, in der sie die studentischen Freiheiten voll auskostete, Seminare auch in anderen Fächern belegte und Vorlesungen hörte, die sie interessierten. Höhepunkt war die Promotion– inzwischen war sie zweifache Mutter, hatte noch einen Sohn zur Welt gebracht. Ihre Doktorarbeit trägt den Titel „Kriminalität in der UDSSR – im Spiegel der marxistisch-leninistischen Ideologie“. Es folgte die Anstellung an der Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kochel am See später in Straßburg und München. Hier fand sie ein offenes Umfeld, fühlte sich frei und bekam Gelegenheit, aus ihrer Leidenschaft für Kunst auch beruflich etwas zu machen. Jährlich acht Kunstaustellungen organisierte sie, die inzwischen Büroleiterin der Vertretung der Friedrich-Ebert-Stiftung in München war, brachte Künstler untereinander und Kunstfreunde in einen Dialog. „Diese Arbeit hat mich regelrecht beflügelt“, sagt sie. Auf die Dauer reichte ihr das allerdings nicht, denn in ihrem Kopf reifte die Vorstellung von noch größerer beruflicher Freiheit ohne die Vorgaben einer Stiftung. „Ich wollte selbstständig mit Künstlern arbeiten, eine größere Themenvielfalt haben und auch mal etwas Kühnes machen.“ Also gründete sie vor acht Jahren eine mobile Galerie unter dem Label „ForumKunst&Dialog“. „Das heißt, man verzichtet auf einen festen Standort und sucht sich für jede Ausstellung einen geeigneten Platz.“ Das Künstlerhaus München ist so einer, der GASTEIG in München, das Levante-Haus in Hamburg, die DROSTEI in Pinneberg, die ArTTenne in Starnberg oder auch der Kreuzgang im Kloster Benediktbeuern in Oberbayern. Von Hasloh im Speckgürtel von Hamburg aus führt Evamaria Brehm ihre Agentur. In ihrem Arbeitszimmer stehen zahlreiche zum Teil großformatige Kunstwerke. Inzwischen hat sie ein Portfolio mit 30 Künstlern, Tendenz immer noch steigend. Die lange Zusammenarbeit hat auf beiden Seiten ein tiefes Vertrauen wachsen lassen, Grundlage für ihren Erfolg. Für sie tut Brehm viel, berät sie, schreibt u.a. Vorworte für Künstlerkataloge, gestaltet mit den Künstlern und einem Grafiker deren Kataloge, entwirft Ausstellungskonzepte. Und dennoch hat sie klare Vorstellungen, welche Künstler sie vermitteln möchte und kann. „Es muss erkennbar sein, dass der Künstler eine gute Handschrift und Ausbildung hat. Die Bilder, Skulpturen oder Objekte müssen stimmig sein.“ Sind diese Voraussetzungen gegeben, ist sie offen für alle Kunstrichtungen. Sie selbst liebt abstrakte Malerei auch abstrahierte gegenständliche Malerei, „aber ich bin durchaus für gute rein gegenständliche Malerei zu haben, vor allem, wenn sie grafische Elemente enthält“. Ihre Wohnung in der Neuen Mitte in Hasloh spiegelt diese Begeisterung. Kunst hängt hier an jeder freien Wand. Brehm ist angekommen, trotz ihres Heimwehs nach Bayern, ihrer noch dort lebenden Tochter mit Familie und ihren vielen Freunden. Die Nähe zu ihren Enkelkindern, das herzliche Verhältnis zu Sohn und Schwiegertochter und deren Eltern, das hat den Umzug schon auch lohnenswert gemacht. Außerdem traf sie hier ihren Lebenspartner und pflegt auch Kontakte zu regionalen Kunstschaffenden. Norddeutschland ist vielleicht inzwischen doch ein Stück Heimat.

Schreibe einen Kommentar